Mit der kalten Jahreszeit ist auch die Zeit der Winterreifen angebrochen, denn in Deutschland gilt die sogenannte situative Winterreifenpflicht. Damit Sie auf der sicheren Seite sind, haben wir mit Reifenprofi Sven Dittmann von Nokian Tyres gesprochen. Welche Winterreifen sind die richtigen? Gehen auch Allwetterreifen? Wie werden Reifen gelagert? Wann mĂŒssen sie gewechselt werden und was sollten Sie beim Kauf beachten? Wir haben die Antworten vom Fachmann.

Es ist Zeit, die Winterreifen aufzuziehen. Damit bei Ihnen keine Frage offen bleibt, hat uns Sven Dittmann, Diplom-Ingenieur und Produkt-Trainer bei der Nokian Tyres GmbH, Rede und Antwort gestanden. Der Reifenspezialist ist seit 14 Jahren beim ReifenhĂ€ndler im Einsatz und verrĂ€t, wann es Winterreifen sein mĂŒssen, wann Allwetterreifen eine Option sind, wie Sie beim Reifenkauf vorgehen sollten und welchen hĂ€ufigen Fehler viele Autofahrer*innen in Sachen Reifenkauf machen.

Winterreifenpflicht: Wann sollten Sie die Winterreifen montieren?

Winterreifen-Experte Sven Dittmann empfiehlt: „Zwischen Oktober und Ostern sollte allgemein mit Winterreifen gefahren werden, da diese bei Temperaturen unter sieben Grad und winterlichen StraßenverhĂ€ltnissen am besten funktionieren und Sicherheit geben.“ GrundsĂ€tzlich dĂŒrfen Sie laut der situativen Winterreifenpflicht bei Schnee, Matsch und GlĂ€tte nicht ohne Winterreifen auf Achse sein. Deswegen sollten Sie sich rechtzeitig vorbereiten. „SpĂ€testens im Oktober sollte man sich um die Montage kĂŒmmern. Ist es bereits richtig winterlich, bekommt man nur noch schwer einen Montagetermin.“ FĂŒr die Montage geben Sie Ihren Wagen am besten in den Fachhandel: „Gerade fĂŒr die Montage auf die Felge muss die Werkstatt ran“, so Dittmann. „Wer bereits ein Komplettrad inklusive Felge hat, kann Reifen auch selbst wechseln, aber das ist recht anspruchsvoll. Hier braucht es nicht nur die passende Expertise, sondern auch das richtige Werkzeug – vom Wagenheber bis zum DrehmomentschlĂŒssel. Wer kein Profi ist, gibt das Auto am besten in die Werkstatt.“

Experten-Tipp: Autoreifen auswuchten

Der Wechsel der Reifen ist eine gute Gelegenheit, um diese neu auswuchten zu lassen. Denn die Gewichte, die in der Felge angebracht sind, gehen manchmal ĂŒber die Nutzung verloren. Das spĂŒrt man vor allem an einer unruhigen Lenkung. Auch wenn einem kein zitterndes Lenkrad aufgefallen ist, lohnt sich die vorsorgliche Auswuchtung, wenn die Reifen eh gewechselt werden.

Die Qual der Wahl: Winterreifen oder Allwetterreifen?

Sie fragen sich, ob Sie Winterreifen oder Allwetterreifen aufziehen sollen? Sven Dittmann erklĂ€rt: „Der Vorteil von Allwetterreifen ist, das man sich einen zweiten Satz RĂ€der, inklusive Reifenluftdrucksensoren, Einlagerung eines zweiten Reifensatzes und saisonalem Reifenwechsel spart. Ein Nachteil ist natĂŒrlich der höhere Verschleiß. Gerade Vielfahrer brauchen hĂ€ufiger neue Reifen.“ GrundsĂ€tzlich empfiehlt der Experte: „Allwetterreifen, beziehungsweise Ganzjahresreifen, sind in Regionen mit dauerhaft milden Wintern eine gute Option.“ Dabei werden Allwetterreifen in den gĂ€ngigsten Reifendimensionen angeboten: FĂŒr PKW von 14 bis 19 Zoll, fĂŒr SUV von 16 bis 19 Zoll. „Wer hingegen im hochmotorisierten Sportwagen mit einer ReifengrĂ¶ĂŸe ĂŒber 19 Zoll unterwegs ist, sollte auf Sommer- und Winterreifen setzen“, so der Profi. „Auch bei Wetterextremen – sowohl im Sommer als auch im Winter, sind die passenden Sommer- und Winterreifen immer die bessere Wahl.“

Was hĂ€lt der Profi von Runflat-Reifen – Reifen, mit denen Sie auch mit einem eingefahrenen Loch noch eine Weile fahren können? „Der Vorteil ist, dass man bei einem vollbeladenen PKW noch mindestens 50 Kilometer bei 80 km/h weiterfahren kann, um die nĂ€chste Werkstatt zu erreichen“, weiß Sven Dittmann. „Nachteil ist, dass die GrĂ¶ĂŸenauswahl beschrĂ€nkt ist. Auch die Montage ist teuer. NatĂŒrlich muss ein Reifen, der ohne Luft gefahren wurde, nach einem Schaden auch ersetzt werden.“

Ansicht eines Kfz-Mechanikers, der einen Autoreifen in der Hand hÀlt

Das ganze Jahr mit Winterreifen fahren: Geht das?

Sven Dittmann rĂ€t davon ab, Winterreifen auch im FrĂŒhjahr und Sommer zu fahren. Warum? „Winterreifen sind weicher als Sommerreifen. Deswegen ist der Verschleiß bei warmen Temperaturen deutlich höher. LĂ€ngere Nass- und Trockenbremswege sind außerdem ein Sicherheitsrisiko. Dazu kommen ein schwammiges FahrgefĂŒhl bei ungleicher Abnutzung und laute AbrollgerĂ€usche.“

Reifen einlagern: Das mĂŒssen Sie beachten

Der Experte von Nokian Tyres empfiehlt, Reifen beim Reifenfachhandel einlagern zu lassen. „Das hat den Vorteil, dass die RĂ€der auf SchĂ€den ĂŒberprĂŒft, gewaschen und bestens auf die nĂ€chste Montage vorbereitet werden.“

Egal, ob Ihre Reifen im Fachhandel gelagert werden oder Sie die Reifen privat unterbringen wollen: GrundsĂ€tzlich sollten die RĂ€der in trockenen, dunklen RĂ€umen bei unter 20 Grad gelagert werden – und dabei von EinflĂŒssen durch Chemikalien, Öl, Gasen (zum Beispiel Ozon) und auch UV-Strahlung ferngehalten werden. „Dabei sollten die RĂ€der entweder ĂŒbereinander liegend mit einem erhöhten Luftdruck von circa 2,5 bis 2,9 bar gelagert werden oder in einem Felgenbaum beziehungsweise einem speziellen Reifenregal“, so Sven Dittmann. „Gerade wer mehr als ein Auto fĂ€hrt, sollte die vielen Reifen nicht stapeln sondern ein entsprechendes Regal nutzen, um die Reifen zu schonen. Wer die Reifen ohne Felge lagert, kann diese auch hinstellen, sollte sie aber regelmĂ€ĂŸig drehen.“

Neue (Winter-)Reifen kaufen: So finden Sie das richtige Modell

Fachmann Sven Dittmann empfiehlt, sich beim Reifenfachhandel beraten zu lassen: „Hier werden alle Fragen beantwortet und das Auto wird live begutachtet, damit die Reifen perfekt zu Auto und Fahrer*in passen. Das Team vor Ort geht auf individuelle BedĂŒrfnisse ein und kann die Reifen auch einlagern.“ Keine individuelle Fachberatung aber eine gute Informationsquelle sind auch Reifentests bekannter Automobilclubs (zum Beispiel vom ADAC) oder Automagazine. „Allerdings sind die Empfehlungen nicht hundertprozentig auf andere ReifengrĂ¶ĂŸen und Fahrzeuge ĂŒbertragbar“, weiß Dittmann.

Bei Winterreifen und Ganzjahresreifen mĂŒssen Sie auf das Alpine-Symbol achten, das drei Bergspitzen und eine Schneeflocke zeigt. „Nur diese Kennzeichnung zeigt zuverlĂ€ssig eine Wintereignung von Reifen an“, erklĂ€rt der Reifenexperte. „Damit man auch sicher auf glatten, nassen Straßen unterwegs ist, sollte dabei die Mindestprofiltiefe von vier Millimetern nicht unterschritten werden.“

Experten-Tipp: ReifenqualitÀt einschÀtzen

Das EU-Reifenlabel hilft, die QualitĂ€t eines Reifens einzuordnen. Das Label erfasst zum einen den Rollwiderstand: Je besser die Klassifizierung, desto energiesparender rollt der Reifen ab. Zum anderen wird der Nassgriff abgebildet: Eine bessere Klassifizierung steht fĂŒr sichereres Fahren auf nassen Straßen. Wichtig: FĂŒr dasselbe Reifenmodell kann die Klassifizierung je nach ReifengrĂ¶ĂŸe variieren. Als dritte Kategorie erfasst das EU-Reifenlabel außerdem das AbrollgerĂ€usch in Dezibel.

Autoreifen online kaufen: Diesen hÀufigen Fehler besser vermeiden

Beim Online-Kauf fehlt es oft an Informationen und Transparenz, erklĂ€rt Sven Dittmann: „Im Fachhandel erfahren Sie ganz transparent, aus welchem Produktionsjahr die Reifen stammen. Außerdem bekommen Sie einen Komplettpreis inklusive Montagekosten. Wer ĂŒber den Online-Handel geht, bekommt keine Beratung am eigenen Fahrzeug und muss die Montage extra zahlen. Außerdem haben Sie keinen Anspruch auf Reifen mit möglichst neuem Produktionsdatum.“ NatĂŒrlich können Autoreifen auch online gekauft werden. Dabei sollten Sie allerdings diesen hĂ€ufigen Fehler vermeiden, wenn Sie nur Reifen und keine neuen KomplettrĂ€der kaufen: „Die ReifengrĂ¶ĂŸe, die in Ihren Fahrzeugdokumenten angegeben ist, kann von der ReifengrĂ¶ĂŸe der tatsĂ€chlich montierten Reifen abweichen. Das ist relevant, wenn man die alten Felgen weiterhin nutzen will. Bestellt man entsprechend der Angabe in den Fahrzeugdokumenten, haben die Reifen hinterher nicht immer die passende GrĂ¶ĂŸe fĂŒr die Felgen. Das fĂ€llt einem*einer FachhĂ€ndler*in natĂŒrlich sofort auf, einer Privatperson aber nicht unbedingt. Auch RĂŒcksendung oder Umtausch falscher oder beschĂ€digter Reifen sind online sehr umstĂ€ndlich. Das geht vor Ort natĂŒrlich leichter.“

Experten-Tipp: Produktionsdatum des Autoreifens

Das Produktionsdatum, das sogenannte DOT, finden Sie auf der Seitenwand des Reifens. Die vier Ziffern bilden Produktionswoche und Jahr ab (DOT 4218 = Produktion in KW 42 im Jahr 2018). Technisch gesehen ist ein Reifen, der korrekt gelagert wurde, auch nach drei Jahren noch neuwertig und verfĂŒgt noch ĂŒber identische Eigenschaften. Sobald ein Reifen am PKW eingesetzt wird, setzt die Alterung ein.

Blick auf den linken Seitenspiegel eines Autos, das eine schneebedeckte Straße befĂ€hrt

Beim Reifenkauf sparen – so geht‘s

Sven Dittmann weiß: Wer rund um die Autoreifen sparen will, setzt zum einen auf den richtigen Kaufzeitpunkt und zum anderen auf eine möglichst lange Lebensdauer. „Auch wenn man Reifen heute in sĂ€mtlichen Preisklassen bekommt, kauft man sie am besten vor der Saison. Wer neue Sommerreifen kaufen will, sollte das im SpĂ€tsommer oder frĂŒhen Herbst tun. Winterreifen sind im Herbst und zu Jahresbeginn bis zum FrĂŒhjahr gĂŒnstiger. Bei Wintereinbruch und sobald die Temperaturen im FrĂŒhling auf ĂŒber zehn Grad steigen, startet nĂ€mlich der Ansturm auf den Reifenfachfachhandel – und Preise können höher ausfallen. Deswegen ist außerhalb der Saison auch der beste Zeitpunkt fĂŒr eine ausfĂŒhrliche, persönliche Beratung. Die RĂ€der können vorbereitet werden und die Montage ist in kĂŒrzester Zeit erledigt.“

ZusĂ€tzlich sparen Sie, wenn Sie Ihre Reifen pflegen und somit die Lebensdauer erhöhen. Hier gilt: Reifenluftdruck regelmĂ€ĂŸig – am besten monatlich – prĂŒfen und an die Beladung des Autos anpassen. „Reifen sollten zudem alle 5000 bis 8000 km achsweise gewechselt werden“, so der Reifenprofi. „Reifen werden dabei von der Vorder- auf die Hinterachse gewechselt – und umgekehrt. So fahren sich die Reifen gleichmĂ€ĂŸig ab. GrundsĂ€tzlich ist es so, dass die Reifen mit grĂ¶ĂŸerer Restprofiltiefe auf die Hinterachse montiert werden sollten, da diese das Fahrzeug in herausfordernden Situationen stabilisiert.“

Experten-Tipp: Lohnen sich gebrauchte oder runderneuerte Reifen?

Reifen gibt es inzwischen in sĂ€mtlichen Preiskategorien, sodass man auch fĂŒr kleines Geld gute Reifen findet. Gebrauchte Reifen sind mit einem hohen Risiko verbunden: Kennt man den*die VerkĂ€ufer*in nicht, weiß man nicht, in welchem Zustand der Reifen ist, ob es UnfĂ€lle hab und wie sicher die Fahrt damit ist. Deswegen montieren auch WerkstĂ€tten Gebrauchtreifen nur ungern. Die mögliche Preisersparnis ist das erhöhte Sicherheitsrisiko selten wert.

Es spricht nichts gegen runderneuerte Reifen, bei denen ein neues Profil aufgebracht wurde. Dennoch lohnen sich diese Reifen preislich kaum. Ein Vorteil ist natĂŒrlich der Nachhaltigkeitsaspekt.

So erkennen Sie, wann Autoreifen ersetzt werden mĂŒssen

„Ein Autoreifen sollte nicht Ă€lter als zehn Jahre sein“, so der Experte. „Nach sechs bis acht Jahren sollten die Reifen im Idealfall ausgetauscht werden. Dann haben Temperaturschwankungen, UV-Strahlung und Ozon den Reifen altern und aushĂ€rten lassen. Das bedeutet: Bremswege werden lĂ€nger, das AbrollgerĂ€usch wird lauter und der Fahrkomfort nimmt ab.“ Ein weiterer Faktor ist die Mindestprofiltiefe: „Diese muss vier Millimeter betragen, damit ein Auto sicher fahren kann. Gerade bei extremen Regen wird das Wasser durch die LĂ€ngs- und Querrillen im Profil weggeleitet, damit der Reifen sicher auf der Fahrbahn sitzt.“ Sven Dittmann verweist auf eine Innovation, die es nur bei Nokian Tyres gibt: „Unsere Reifen sind mit einem Profiltiefenanzeiger ausgestattet. Ob das Profil bei acht, sechs oder vier Millimetern oder sogar darunter liegt, lĂ€sst sich direkt am Reifen ablesen. Bei Winterreifen wird ĂŒber eine Schneeflocke angezeigt, ob der Reifen noch wintertauglich ist.“

Als Faustregel gilt: Schauen Sie mindestens einmal im Monat, ob bei Ihren Reifen noch alles im grĂŒnen Bereich ist. PrĂŒfen Sie den Luftdruck und sollten Sie Risse oder ein ungleichmĂ€ĂŸig abgenutztes Profil finden: Ab in die Werkstatt. Noch mehr Tipps, wie Sie Ihr Auto winterfit machen, finden Sie in diesem Artikel.

Danke an Sven Dittmann und die Nokian Tyres GmbH fĂŒr die Profi-Tipps rund ums Thema Winterreifen. Dass wir damit bei Nokian an der richtigen Adresse sind, ist kein Wunder: Der finnische Reifenhersteller entwickelte bereits 1934 den weltweit ersten Winterreifen.

Die aktuelle Auswahl an Winterreifen des ĂŒber 100 Jahre alten Unternehmens finden Sie hier.


Foto-Credits // Titelbild: Nokian Tyres GmbH; Bild 2: iStock.com/standret, Bild 3: iStock.com/Scharfsinn86